Qualifizierung in Zeiten der digitalen Transformation – Strategien für Unternehmen und Beschäftigte

Für die nachhaltige Sicherung von Arbeitsplätzen und Fachkräften in Zeiten der digitalen Transformation spielt Qualifizierung eine zentrale Rolle. Wie ihre Regionen in diesem Bereich aufgestellt sind und wie innovative Weiterbildungsstrategien aussehen können, dazu tauschten sich am 29. Oktober Vertreterinnen und Vertreter aus Wirtschaft, Politik und Praxis im Wissenschaftspark Gelsenkirchen aus. Im Rahmen der Veranstaltung "Qualifizierung neu denken!" ging es nicht nur um graue Theorie: Diverse Best-Practice-Beispiele vermittelten anschaulich, mit welchen Ideen das Thema bereits ganz praktisch angegangen wird. Und Zukunftsforscher Klaus Burmeister eröffnete den Teilnehmenden einen Blick in die Arbeitswelt der Zukunft.

"Vernetzungs- und Kooperationsfähigkeit sind Kernkompetenzen im Zusammenhang mit der Digitalisierung. Dass dies in den Regionalagenturen gelebt wird, beweist diese Veranstaltung", sagte Christina Ramb, Leiterin der Abteilung Arbeit und Qualifizierung im Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales (MAGS) des Landes NRW, zur Begrüßung der etwa 120 Teilnehmenden. Denn die Regionalagenturen Emscher-Lippe, Mittleres Ruhrgebiet, MEO und Niederrhein hatten eingeladen, um sich auszutauschen und im Schulterschluss zu erörtern, wie ein erfolgreicher Ansatz für Qualifizierung und Weiterbildung in ihren Regionen aussehen kann.

In seinem eindrucksvollen Impulsvortrag bewertete der Berliner Zukunftsforscher Klaus Burmeister den Ist-Zustand hinsichtlich des Wandels der Arbeitswelt in Deutschland kritisch: „Wir müssen aufpassen, unseren erarbeiteten Stand nicht zu verspielen. Hinsichtlich Innovation ist Deutschland derzeit nur noch Mittelmaß!“ Es brauche neues Denken und Experimentierfreudigkeit, um den Wandel proaktiv zu gestalten. Die große Frage der Arbeitswelt 4.0 ist für Burmeister die nach der Gestaltung von Koexistenz, Kooperation und Kollaboration von Technik und Mensch. „Die großen Struktureffekte wird es nicht bei den Beschäftigungszahlen, sondern auf der Berufs- und Branchenebene geben“, glaubt er. Sein Appell lautet: Qualifizierung muss sich an die veränderte Arbeit anpassen. So kann der Arbeitsplatz gleichzeitig zum interaktiven Lernort werden, an dem Weiterbildung ganz individuell, situativ und praktisch bei der Arbeit erfolgt.

Um schließlich aus den Erfahrungen der Regionen lernen zu können, wurden zwei Projekte exemplarisch vorgestellt. Wie die Weiterbildung der Zukunft in Unternehmen etabliert werden kann, zeigt das vom MAGS geförderte Projekt „Arbeit 2020“. Frank Kirchner, Betriebsratsvorsitzender der Schrader Industriefahrzeuge GmbH aus Essen, berichtete gemeinsam mit Angela Satzer, Beraterin der TBS NRW, von den Erkenntnissen seines Unternehmens. Dort wurden die Beschäftigten in einem prozess- und zukunftsorientierten Ansatz aktiv am Wandel ihrer Arbeitswelt beteiligt. Kirchner zog eine positive Bilanz: „Dies hat sich als ideal erwiesen, um zu verstehen, wo wir stehen, wo wir hinwollen und wie wir das schaffen.“


Impressionen der Veranstaltung

Teilnehmende an der Veranstaltung
 
Teilnehmende an der Veranstaltung

Das Projekt „Mentoring 4.0“, welches Prof. Dr. Joachim Zülch vorstellte, beschäftigt sich mit der Frage, wie Kompetenzen von Beschäftigten durch generationsübergreifende Zusammenarbeit und Wissensaustausch genutzt werden können. „In Unternehmen ist Wissen unterschiedlich verteilt: Junge Menschen sind mit digitalen Kompetenzen quasi aufgewachsen, ältere Mitarbeiter besitzen viel Erfahrungswissen“, weiß der Geschäftsführer des Management Instituts Bochum. Sein Projekt setzt auf Mensch-zu-Mensch-Kommunikation in einem Mentoring-System, denn: „Der Mensch darf bei der digitalen Transformation nicht vergessen werden!“

Mit den „Arkaden der Qualifikation“ gelang es den Regionalagenturen, das vielfältige Bild aus der Praxis zu vervollständigen. Tolle Projekte aus den Regionen bekamen die Möglichkeit, den Teilnehmenden ihre spannenden Ansätze vorzustellen: Ein mobiles Schulungszentrum für flexibles und individuelles Lernen für Beschäftigte in technischen Berufen, ein Roboter als Lerntool für die Schweißausbildung, eine High-Tech-Werkstatt für die praktische Wissensvermittlung an junge Menschen -  an den verschiedenen Ständen präsentierten sich viele weitere innovative Lösungen für die Qualifizierung der Zukunft.

Die Teilnehmenden erhielten auf diese Weise einen guten Einblick, wie ihre Regionen beim Thema Weiterbildung aufgestellt sind und welche Ideen bereits umgesetzt werden. Aber auch ihre Empfehlungen waren angesichts des Mottos „gemeinsam weiterdenken“ erwünscht. Um die Weiterbildung der Zukunft erfolgreich zu gestalten, empfanden es viele als wichtig, Förderprogramme transparent und zugänglich zu gestalten sowie Unternehmen und Beschäftigte bei der Gestaltung des Wandels mitzunehmen.

Abteilungsleiterin Christina Ramb vom MAGS fühlte sich bei der abschließenden Podiumsdiskussion bestätigt: "Wir wollen individuelle Weiterbildung weiter fördern und uns bei der Beratung auch mit den Arbeitsagenturen abstimmen. Es braucht zahlreiche Akteure, um an allen Seiten anzusetzen.“ Eugen Palm, Leiter der Arbeitsagentur Bottrop, sah noch einigen Arbeitsbedarf: „Für viele wichtige Themen gibt es nicht genug Angebote, E-Commerce ist ein Beispiel. Es muss uns gelingen, Weiterbildung auch mit konkreten Benefits für Unternehmen zu verbinden.“ Der Wandel muss ab sofort aktiv angegangen werden, unterstrich Zukunftsforscher Burmeister. „Ich möchte Sie dazu einladen, etwas auszuprobieren und neue Wege zu gehen“, schloss er in Richtung der Teilnehmenden. Eine Einschätzung, die Martin Peetzen, Leiter der Regionalagentur Emscher-Lippe, teilte: „Bereits in den nächsten fünf Jahren wird viel passieren – wir müssen jetzt auf dem Weg sein, um den Anschluss zu behalten.“