Futuro Digital – Die neue Lebensqualität: Weniger arbeiten, mehr freie Zeit

Zukunftsthemen in altehrwürdigem Rahmen: Auf Schloss Ehreshoven kamen am 06.12.2018 auf Einladung der Regionalagentur Region Köln etwa 150 Teilnehmende zum „Futuro Digital“ zusammen. Im Mittelpunkt stand Digitalexperte Karl-Heinz Land mit seiner Vision von der „Erde 5.0“. Er blickt der Zukunft positiv entgegen, wenn es gelingt, die digitale Transformation als gesamtgesellschaftliche Gestaltungsaufgabe zu begreifen. Schirmherr des neuen Dialogformates ist der Oberbergische Landrat Jochen Hagt.

Das Schloss Ehreshoven im Oberbergischen Kreis ist ein eindrucksvoller Ort, der mit viel Geschichte und Tradition aufwarten kann. Ein Kontrast zu einer Veranstaltung rund um die rasanten Veränderungen, welche die digitale Transformation für die Zukunft bereithält? „Wir beschäftigen uns mit den Themen Pflege, Forstwirtschaft, Denkmalpflege und Event. In allen Bereichen müssen auch wir die Frage der Digitalisierung beantworten, um im Markt der Zukunft bestehen zu können“, machte Jörg Deselaers, Kurator des Stiftes Ehreshoven, bei der Begrüßung der Teilnehmenden klar. Dies beinhaltet für ihn jedoch auch, Grenzen zu ziehen: „Auch künftig brauchen wir emotionale, gute Mitarbeiter. Diese Komponente zu digitalisieren, wäre nicht wünschenswert.“

Im Anschluss führte Dr. Jens Stuhldreier vom Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales NRW (MAGS NRW) in die Veranstaltung ein, die unter dem Motto „Neue Lebensqualität: weniger arbeiten – mehr freie Zeit“ stand. Er plädierte für „realistische Zuversicht“ beim Blick in die Zukunft: „Der tiefgreifendWandel unserer Arbeitswelt durch KI und Arbeit 4.0 bedeutet einerseits weniger Stress und körperliche Arbeit, gleichzeitig sind viele Arbeitsplätze von Automatisierung betroffen. Jeder sollte neugierig sein auf den Wandel, wir müssen aber auch Befürchtungen, Ängste, Sorgen der Menschen ernst nehmen. Dann können wir gelassen in die Zukunft schauen.“ 

An diese Sicht auf die digitale Zukunft knüpfte Karl-Heinz Land in seinem inspirierenden Vortrag an. Der Digitalexperte und Autor schreibt in seinem neuen Buch „Erde 5.0 – Die Zukunft provozieren“, dass es unsere Aufgabe als Gesellschaft ist, die Zukunft so zu gestalten, wie wir sie wollen. „Bevölkerungswachstum, Ressourcenknappheit, Klimawandel - ich glaube, wir haben nicht viel Zeit und müssen jetzt handeln, aber wir brauchen keinen zweiten Planeten. Die Erde wird digital und sehr menschlich!“

Die Digitalisierung wird Wirtschaft und Gesellschaft nachhaltig verändern und ungekannte Möglichkeiten schaffen. „Alles, was digitalisiert werden kann, wird digitalisiert. Alles, was vernetzt werden kann, wird vernetzt. Alles, was automatisiert werden kann, wird automatisiert“, ist Karl-Heinz Land überzeugt. Die Entwicklung verläuft exponentiell: „Zwischen 2014 und 2021 werden wir den gleichen technischen Fortschritt absolvieren wie im gesamten letzten Jahrhundert und die Entwicklung läuft immer schneller. Der Fortschritt ist nur noch begrenzt durch unsere Vorstellungskraft und unseren Willen.“ Veränderte Wertesysteme, größere Bedeutung von Kreativität, ein bedingungsloses Grundeinkommen, geringerer Ressourcenverbrauch, das Ende der Massenprodukte - die möglichen Auswirkungen der Digitalisierung auf das Leben 5.0 sind vielfältig.

Damit der Wandel gelingt, ist ein verändertes Mindset nötig: Es braucht ein Verständnis davon, wie die neue Mechanik der digitalen Ökonomie funktioniert, in der sich Produkte, Wertschöpfungssysteme, Kundenverhalten und vieles andere verändern. Dann ist eine Transformationsstrategie gefragt: „Wir müssen uns fragen, was wir wollen und wie der Wandel sinnvoll gestaltet werden kann. Wir brauchen Lust auf die Zukunft und müssen sie jetzt gestalten – wir haben alles, außer Zeit“, mahnte Land zum Abschluss.

Die Veranstaltung, bei der auch der musikalische Rahmen durch die Harfenmusik von Lorena Wolfewicz zur ganz besonderen Atmosphäre beitrug, fand ihren Ausklang bei Diskussionen in entspannter Runde: An fünf Themeninseln konnten verschiedene Aspekte des digitalen Wandels im Austausch mit den Kooperationspartnern vertieft werden, zum Beispiel mit der Kreiswirtschaftsförderung. Bei der Regionalagentur ging es insbesondere um die Gestaltung des digitalen Wandels in Unternehmen, bei der Caritas um die Sozial- und Gesundheitswirtschaft. Das IT-Forum Oberberg informierte über den Bedarf an IT-Fachkräften, beim Stift Ehreshoven stand die digitale Zukunft im Brückenschlag von Tradition zur Moderne im Mittelpunkt.