Enabling Innovation Festival

Innovation und die Arbeitswelt der Zukunft bestimmten am 11. April das prall gefüllte Programm im Münsteraner Skaters Palace: „Enabling Innovation“, das regionale Verbundprojekt zur Innovationsförderung im Münsterland, hatte gemeinsam mit der Regionalagentur Münsterland e.V. und dem DigiHub Münster zum „Enabling Innovation Festival“ geladen. Damit wurde auch ein Impuls aus dem münsteraner Ideenlabor von 2017 in die Praxis umgesetzt. Über 200 Vertreterinnen und Vertreter von Unternehmen, Wirtschaftsförderung und Wissenschaft aus der Region trugen dazu bei, dass das Festival seinem Zweck gerecht wurde: Eine Plattform zu sein für Vernetzung, Austausch und Impulse für Innovation in der Region Münsterland.

Von der ersten Minute an stand Innovation im Mittelpunkt: Moderator Kai Heddergott begrüßte die Teilnehmenden zusammen mit Titus Dittmann, dem Initiator des Skater Palace. Der Skateboardpionier machte den Sport ab den frühen 80er Jahren in Deutschland populär und weiß, worauf es für Innovation ankommt: „Ich selbst habe nie aktiv nach etwas Neuem gesucht – wenn aber das Herz für eine Sache brennt, kommt der Rest fast von selbst!“ Um Innovativität bereits bei Kindern zu fördern, sieht Dittmann Freiräume zum selbstbestimmten Lernen, zum Ausprobieren und Fehler machen als zentral an. Für Dr. Wiebke Lang vom Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales NRW (MAGS) gilt dies auch im Unternehmen. Sie betonte in ihrer Begrüßung: „Wir brauchen eine neue Unternehmenskultur, in der Freiräume und Spaß am Lernen gefördert werden, Führungskräfte und Beschäftigte gemeinsam an Lösungen arbeiten und sich mit ihren jeweiligen Stärken einbringen.“

In der eröffnenden Keynote führte Friedrich Große Dunker von der Berliner Innovationsentwicklungsagentur Dark Horse aus, was Innovation im digitalen Zeitalter bedeutet. „Die Digitalisierung ist weniger eine technische, sondern eine kulturelle Revolution, die unser Erleben und Verhalten verändert.“ Diverse neue Berührungspunkte mit verfügbaren Services sorgen für eine Vervielfältigung der Entscheidungsmöglichkeiten von Nutzern. Die relevante Frage für erfolgreiche Innovation ist: Was ist für die Nutzer relevant – und wie lässt es sich herausfinden? Ein nutzerorientiertes Unternehmen, das relevante Produkte gestalten will, sollte sich an einem Schnellboot orientieren: „Früher waren große, auf Effizienz getrimmte Unternehmen erfolgreich, vergleichbar mit ausdauernden Tankern. Doch das früher offene Meer der Unternehmenswelt ist heute ständig in Veränderung – gleichsam voller Eisberge. Hier sind Unternehmen gefragt, die wie Schnellboote riskanter unterwegs sind, aber schnell und agil genug, um die Geldquellen von morgen auszukundschaften.“ Darauf sollte sich die gesamte Arbeitsumgebung im Unternehmen ausrichten: Kommunikations- und Entscheidungsstrukturen etwa sorgen für mehr Flexibilität, indem sie sich an die komplexere Außenwelt anpassen und ihrerseits dezentraler und komplexer werden.

Im Anschluss hatten die Teilnehmenden auf dem Festival die Qual der Wahl: 12 verschiedene Programmpunkte standen zur Auswahl, von denen jeweils drei parallel liefen. Dabei durfte auch eine Gesamtschau auf das Projekt „Enabling Innovation“ nicht fehlen: Die Münsterland e.V. stellte die Initiative vor, warf einen Blick zurück auf das bisher erreichte und gab einen Ausblick auf die für die Zukunft geplanten Maßnahmen. Prof. Dr. Björn Niehaves von der Universität Siegen, Mitglied des Beirates Digitale Wirtschaft NRW, beschrieb die Digitalisierung in seinem Vortrag als Gemeinschaftsaufgabe: „Der größte und wichtigste Teil des Wandels kommt noch – aber er läuft nicht von allein. Wir alle brauchen die Bereitschaft, Agilität und das strategische Denken, um sie zu gestalten.“ Dass dies auch die Bereitschaft zu scheitern beinhaltet, führte im Anschluss Matthias Adames von EUCON aus: „Vor dem Scheitern sollte man keine Angst haben, sondern es als Teil des Wachstums betrachten: Wenn man die richtigen Konsequenzen aus Fehlern zieht, wird man gestärkt aus ihnen hervorgehen.“

Schließlich bot der Nachmittag auch über die Keynotes hinaus ein abwechslungsreiches Programm, das die gesamte Bandbreite des Themas Innovation im Münsterland abbildete: Verschiedene Workshops beschäftigten sich mit zukunftsorientierten Geschäftsmodellen und Innovationsförderung. Und auch bei einem Design Thinking Sprint oder beim Programmieren von kleinen Robotern konnten die Teilnehmenden selbst aktiv werden. Bei zwei Reverse Pitches standen die Anforderungen von Unternehmern an Investoren im Mittelpunkt. Und ein Marktformat in der Mitte des Skaters Palace lud in den Pausen dazu ein, Start-Ups aus der Region kennen zu lernen oder sich mit Roboter Pepper zu unterhalten. Für Klaus Ehling von der Münsterland e.V. besteht kein Zweifel: „Die Herzen der Menschen hier im Münsterland brennen! Mit dem heutigen Festival wollen wir dazu beitragen, dass dies auch in der Breite sichtbarer wird.“