2. Ideenlabor Region NiederRhein

Eine digitale Dachmarke für attraktives Arbeiten in der Region und ein Digitalisierungs-Kompass

10.07.2017 14:00 18:00
Niederrheinische Industrie- und Handelskammer Duisburg-Wesel-Kleve

Herausforderungen und Chancen der Digitalisierung zur Gewinnung und Qualifizierung von Fachkräften sowie entsprechende Lösungsansätze für eine zukunftsfähige Region waren das Thema des 2. Ideenlabors der Region NiederRhein, das am 10.07.2017 in Zusammenarbeit von Regionalagentur NiederRhein und der Niederrheinischen IHK Duisburg – Wesel – Kleve in Duisburg stattfand.

Den Auftakt zum gemeinsamen Austausch in der Region hatte bereits das erste Ideenlabor im Dezember 2016 gebildet. An dem 2. Ideenlabor – erneut unter der Regie des NRW-Ministeriums für Arbeit, Gesundheit und Soziales - nahmen rund 40 Teilnehmende, darunter Vertreterinnen und Vertreter aus Unternehmen, Wirtschaftsförderungen, Wissenschafts- und Forschungseinrichtungen, Betriebsräten, Verbänden, weiteren Institutionen sowie Studierende teil. Die Veranstaltung wurde erneut von der Regionalagentur NiederRhein und der Niederrheinischen Industrie- und Handelskammer Duisburg - Wesel - Kleve ausgerichtet.

Im großen Sitzungssaal der IHK stellte Jürgen Kaiser, stellvertretender Geschäftsbereichsleiter Bildung und Technologie, in seiner Begrüßung fest: „Wir werden immer weniger und wir werden immer älter. Die Sicherung des Fachkräftenachwuchses ist daher unsere zentrale Herausforderung.“ Mangelnder Nachwuchs werde laut der jüngsten Umfrage der IHK von 43% der Unternehmen am Niederrhein als ein Hauptrisiko für ihren weiteren Geschäftsverlauf gesehen. Im Fokus des Ideenlabors standen daher der gemeinsame Austausch und die Vertiefung der Diskussion zu Herausforderungen und Chancen der Digitalisierung für die Rekrutierung, Sicherung und Bindung von Fachkräften in der Region.

In seinem Impuls "Arbeit 4.0 im Dialog" charakterisierte Dr. Jens Stuhldreier, Leiter des Referats "Modernisierung der Arbeit" im Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen, Digitalisierung als eine funktions- und bereichsübergreifende Aufgabe, die von allen gesellschaftlichen Akteuren mitgetragen werden müsse. Im Fokus der durch Open.NRW geförderten regionalen Ideenlabore steht daher die gemeinsame Entwicklung von Ideen, damit gute und faire Arbeitsbedingungen in einer vernetzten Arbeitswelt entstehen.

Anknüpfend an das erste regionale Ideenlabor im Dezember 2016 und seinen Zwischenergebnissen zeigten Herr Nicolai Müller und Herr Gamal Halaga Lösungsansätze für die Herausforderungen der Digitalisierung und der Fachkräftesicherung in der Region NiederRhein. Nicolai Müller, Geschäftsführer der Dr. Müller, Hufschmidt Steuerberatungsgesellschaft mbH präsentierte seine Plattform www.jobsuche-niederrhein.de, die Anknüpfungspunkte zu der Idee des ersten regionalen Ideenlabors „Was tun wir am Niederrhein“ darstellt. „Jobsuche Niederrhein“ bietet in der Region beheimateten Unternehmen Online-Präsenz und macht sie als attraktiver Arbeitgeber sichtbar für Fachkräfte, Berufseinsteigerinnen und Berufseinsteiger, Studierende, Auszubildende sowie Schüler/innen. Mit Blick auf die Veränderung von Unternehmensprozessen durch die Digitalisierung betonte Gamal Halaga, Geschäftsführer der RehaMedia Handelsgesellschaft die Bedeutung der betrieblichen Weiterbildung für den Erfolg von Unternehmen. Die Anpassung von Unternehmensprozessen an die Digitalisierung habe seine Firma bereits vor zehn Jahren angestoßen. Er sei deshalb davon überzeugt, „dass Digitalisierung nicht im PC, sondern im Kopf beginnt.“ Zudem nutzt das Unternehmen die durch das Land Nordrhein-Westfalen mit Mitteln aus dem Europäischen Sozialfonds geförderte Potentialberatung NRW, um so Betriebsprozesse an das Wachstum anzupassen und Geschäftsprozesse durch Digitalisierung unter Beteiligung der Beschäftigten zu optimieren.  Die Potentialberatung, Förderangebot des nordrhein-westfälischen Arbeitsministeriums, zeigt so einen Lösungsweg für die Idee des ersten Ideenlabors “We make you sexy, NiederRhein“ - Digi-Employer-Brander unterstützen KMU bei der Digitalisierung“ auf.

Im weiteren Verlauf des Ideenlabors arbeiteten die Teilnehmenden in zwei parallelen Workshops:

  • Digitalisierung: Neue Anforderungen an die betriebliche Qualifizierung
  • Digitalisierung als Chance für mehr Arbeitgeberattraktivität

Christoph Hieber, Head of Digital Learning bei der TÜV Rheinland Akademie GmbH in München, zeigte in seinem Impulsvortrag auf, wie sich Lernen durch die digitale Transformation verändert. Ein Aspekt sei z. B. die Verschiebung des Lernortes: „Lernen kommt an den Arbeitsplatz, dort, wo es gebraucht wird“. Innovative digitale Lösungen verbinden Erkenntnis und Erlebnis und ermöglichen dadurch nachhaltig erfolgreiches Lernen. Neben dem personalisierten Zugang, der das individuelle Vorwissen berücksichtigt, sind laut Hieber auch das selbstständige Problemlösen und das Anwenden von Erlerntem zentrale Faktoren für aktives Lernen.

Suzana Blazek, Senior Researcher im Kompetenzzentrum Fachkräftesicherung am Institut der Deutschen Wirtschaft (KOFA) in Köln, gab Antworten auf die Frage, wie Unternehmen es schaffen können, auch in Zukunft attraktiv für Fachkräfte zu sein. „Der Arbeitsmarkt dreht sich von einem Angebots- zu einem Nachfragemarkt. Viele Arbeitgeber können nicht mehr aus einem großen Bewerberpool auswählen, vielmehr sind es die jungen Fachkräfte, die zunehmend die Wahl zwischen verschiedenen Angeboten haben und daher auch die Bedingungen stellen“, so Blazek. Für ein erfolgreiches Employer-Branding seien verschiedene Schritte nötig. Ein zentraler Stellhebel sei dabei, für die eigenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter attraktiv zu sein, denn „diese sind die glaubwürdigsten Botschafter und die künftigen Headhunter des Unternehmens“.

Ausgehend von den Impulsen wurden schließlich im Ideenlabor zwei Gestaltungsideen für die Region entwickelt, die beide auf den Bedarf nach mehr Transparenz und Bekanntheit der Unternehmen in der Region NiederRhein abzielen. So entstand zum einen die Idee, eine Dachmarke für gutes und attraktives Arbeiten durch digitale Lösungen in der Region NiederRhein zu schaffen, die auf Vernetzung und Kooperation der regionalen Unternehmen sowie weiterer relevanter Akteure basiert. Zum anderen entwickelten die Teilnehmenden die Idee für einen Digitalisierungskompass, der die Vielzahl der bereits bestehenden Angebote und Fördermöglichkeiten in der Region NiederRhein bündelt und Unternehmen Orientierung bietet.

Zum Abschluss des 2. regionalen Ideenlabors dankte Magdalena Kowalczyk, Regionalagentur NiederRhein, allen Teilnehmenden für die wertvollen Ideen und die angeregten, konstruktiven Diskussionen. Zudem auch für die spannenden und praxisnahen Impulse zur Digitalisierung durch Frau Blazek und Herrn Hieber. Ein Resümee des zweiten Ideenlabors war: „Ihre heutigen Ideen werden wir mitnehmen und auf der Ideenlandkarte Arbeit NRW 4.0 veröffentlichen. Die regionalen Ideenlabore sind kein ‚closed shop Format’ – wir laden Sie herzlich ein, mit virtuellen Kommentaren zu den Gestaltungsideen auf der Dialogplattform des NRW-Arbeitsministeriums www.arbeitviernull.nrw weiterzuarbeiten“, so Magdalena Kowalczyk, „Zudem sind alle Interessierten zu einem analogen Austausch herzlich eingeladen – wir freuen uns auf Ihr Mitmachen für eine zukunftsfähige Region NiederRhein.“