Ideenlabor Bonn/ Rhein-Sieg

Unternehmenskultur, Beschäftigungsfähigkeit, Plattformen, alternative Formen der Zusammenarbeit ...

27.04.2017 16:30 20:00
Im Podium 49, Bonn

Unternehmenskultur, Beschäftigungsfähigkeit, Plattformen, alternative Formen der Zusammenarbeit sind neben gesellschaftlichen Themen die Schwerpunktfelder der Region.

G.I.B. / Foto: Joe KramerG.I.B. / Foto: Joe Kramer

Mit einem Ideenlabor lud die Regionalagentur Bonn/Rhein-Sieg am 27. April 2017 ins „Podium 49“ in Bonn ein zur Teilnahme am Dialogprozess „NRW 4.0 – Gute und faire Arbeit“. Im Zentrum stand die Frage, wie sich faire Arbeit in der digitalisierten Arbeitswelt gestalten lässt. Es ging darum, Chancen und Risiken, vor allem aber Gestaltungsmöglichkeiten für die Region auszuloten.

Kaum ein Arbeitsfeld ist von den Veränderungen durch Digitalisierung stärker betroffen als die IT Branche selbst. Neue Arbeitsbeziehungen und -Formen haben sich entwickelt, Schlagwörter wie Plattformökonomie, Click- und Crowdworking kennzeichnen die Debatte. Die Region Bonn/Rhein-Sieg zählt inzwischen zu einem der großen vier IT-Standorte in Deutschland, Digitalisierung und Arbeit 4.0 sind hier nicht nur ein zentrales Thema, sondern in Teilen bereits Wirklichkeit. Die Regionalagentur nahm das zum Anlass und ließ zum Thema: „Faire Arbeit in der IT und wie kann unser Beitrag dazu aussehen?“ ca. 30 ausgewählte Teilnehmer aus Unternehmen verschiedener Branchen, Start-Ups, Bildungseinrichtungen, Wirtschaftsförderung, Jobcenter sowie ein Vertreter des Digital Hub gemeinsam regionale Gestaltungsmöglichkeiten diskutieren.

Als Vertreterin des NRW-Arbeitsministeriums begrüßte die Gruppenleiterin Ingrid Schleimer die Teilnehmenden und skizzierte die Aktivitäten der Landesregierung. Dabei verwies sie insbesondere auf die NRW Allianz Wirtschaft und Arbeit 4.0, die die Landesregierung zusammen mit Spitzenvertretern aus Wirtschaft, Gewerkschaften und Wissenschaft gegründet hat. Zugleich betonte sie: „Wir haben hochangesiedelte Gremien, aber wir brauchen auch Kontakt zur Basis, damit wir wissen, was brauchen die Unternehmen, die Betriebe und die Menschen vor Ort.“

In Nordrhein-Westfalen gebe es die lange Tradition der regionalisierten Arbeitspolitik. „Auch die Ideenfindung machen wir regionalisiert, dabei unterstützen uns die Regionalagenturen.“ Die Anregungen und Ergebnisse des Ideenlabors, versicherte die Vertreterin des Arbeitsministeriums, „werden wir in unser politisches Handeln einbinden“.

Nach Martina Schönborn-Waldorf, die als Leiterin der Regionalagentur die Teilnehmenden und das Konzept des Ideenlabors vorstellte, umschrieb die Leiterin der Wirtschaftsförderung, Victoria Appelbe, noch einmal die Bedeutung des Themas für die Region. Im Vordergrund habe der Nutzen für die Menschen zu stehen, betonte sie. Gerade im IT-Sektor, wo der Arbeitsmarkt so spezialisiert und beschleunigt ablaufe, sei es wichtig, Teilhabe und faire Arbeitsbedingungen sicherzustellen.

Der Arbeitsmarktexperte Dr. Alexander Spermann zählt nach dem Ranking der FAZ zu den 100 einflussreichsten Ökonomen in Deutschland. Ihm oblag es beim Bonner Ideenlabor, die Problemlagen und Perspektiven zu umreißen und eine erste Antwort auf die Frage zu geben „Faire Arbeit in der IT – wie kann das gehen?“.

Er schilderte zunächst die unterschiedlichen Sichtwiesen und Strategien, die sich auf Arbeit 4.0 und digitale Geschäftsmodelle der sogenannte Plattformökonomie oder Sharing Economy beziehen. Der Arbeitsmarktexperte plädierte in seinem Vortrag für Augenmaß und dafür, „eine angemessene Regulierung zu finden“, damit Wachstums- und Beschäftigungschancen in der IT-Industrie erhalten bleiben und Ausbeutung oder Überwachung verhindert werden. „Das ist die Herausforderung, vor der wir heute stehen.“

In vier Workshops konnten sich die Teilnehmenden anschließend mit den positiven wie kritischen Sichtweisen der aktuellen Situation beschäftigen, bevor sie mögliche Gestaltungsansätze skizzierten.

Aus den Workshopdiskussionen kristallisierten sich im Wesentlichen fünf Schwerpunktthemen:

  • Unternehmenskultur
  • Beschäftigungsfähigkeit
  • Plattformen
  • Andere Formen der Zusammenarbeit
  • Gesellschaftliche Themen

Für das Land und die Region ergeben sich aus den Schwerpunktthemen folgende Handlungsbereiche: Durch die Digitalisierung entwickelt sich eine neue Arbeitskultur, dafür braucht es auch eine neue Unternehmenskultur. Auf Landesebene stehen im Rahmen der Modernisierungsförderung bereits Möglichkeiten und Angebote bereit, die zu nutzen und zu erweitern sind, etwa die Potentialberatung oder die Bildungsberatung.

Auf regionaler Ebene gibt es offensichtlich ein großes Bedürfnis, ein Format wie das Ideenlabor zu institutionalisieren. Es braucht daher Plattformen, nicht nur digital, sondern auch analog, die Raum für Austausch, Begegnung und Kreativität bieten. Also eine reale Ergänzung zur digitalen Plattform, die mit der IT-Initiative in der Region bereits aufgebaut wurde und die erfolgreich als Stellenbörse für die Branche funktioniert. Es wird so etwas wie Qualitätszirkel benötigt. Über alle Ebenen hinweg ist das Thema Frauenförderung zu bearbeiten, damit in der IT-Branche nicht nur Männer die Strukturen bestimmen.