Ideenlabor Region Aachen

Digitalisierung im Einzelhandel der Zukunft in der Region Aachen

11.05.2017 14:00 18:00
EICe Aachen Prolog-Gebäude, Campus-Boulevard 55, 52074 Aachen

Welche Digitalisierungs-Aktivitäten im Einzelhandel gibt es bereits in der Region? Worin liegen derzeit die Potenziale für einen digitalisierten Einzelhandel und worin bestehen die konkreten Herausforderungen? Diese und weitere Fragen rund um das Thema Einzelhandel standen im Mittelpunkt des ersten regionalen Ideenlabors der Region Aachen, das am 11. Mai 2017 stattfand und vom Zweckverband Region Aachen ausgerichtet wurde.

Mehr als 30 Vertreterinnen und Vertretern aus Unternehmen, Bildungseinrichtungen, Wirtschaftsförderungen, Gewerkschaften, Betriebsräten, der FH Aachen, IHK und vielen weiteren Institutionen sowie Studierende nahmen an dem Ideenlabor teil.

Ziel war es, gemeinsam die Risiken und Herausforderungen, aber auch die Chancen und Möglichkeiten der Digitalisierung der Arbeitswelt in der Region Aachen zu erarbeiten und so die Arbeitswelt der Zukunft aktiv zu gestalten.

Manfred Bausch, stellvertretender Leiter des Zweckverbands Region Aachen, begrüßte die Teilnehmenden und hob die besondere Stellung der EUREGIO Region im Dreiländereck hervor. Viele Initiativen in Aachen beschäftigen sich bereits mit den Auswirkungen der Digitalisierung. Hier will die Region weiter in die Diskussion einsteigen und das Thema vorantreiben.

Dr. Jens Stuhldreier, Leiter des Referats „Modernisierung der Arbeit“ im NRW-Arbeitsministerium, gab einen Impuls „Arbeit 4.0 im Dialog“ und erklärte die Hintergründe des Prozesses und die Motivation, die lokalen Akteure zu unterstützen. Der Dialogprozess „NRW 4.0: Gute und faire Arbeit“ des MAGS wird von der Open.NRW Geschäftsstelle gefördert und trägt dazu bei, verschiedene Akteure bei der Gestaltung einer digitalen Arbeitswelt zu beteiligen.

Herr Prof. Dr.-Ing. Thomas Ritz hielt einen Impulsvortrag „Auswirkungen der Digitalisierung im Einzelhandel auf Beschäftigung und Unternehmen in der Region Aachen“, in dem er die maßgeblichen Veränderungen unseres Miteinanders durch die Digitalisierung vorstellte: Kommunikation, Kollaboration und Kooperation. Durch die Digitalisierung werde alles schnelllebiger und verändere, wie wir uns austauschen und auch konsumieren. Wenn es dem Einzelhandel gelinge, das veränderte Verhalten der Kunden zu verstehen, so ließen sich auch neue Geschäftsmodelle entwickeln, die nicht ausschließlich E-Commerce bedeuten, so Ritz in seinem Vortrag.

Elke Ariëns von der Stadt Aachen zeigte im Überblick die vielfältigen, bereits bestehenden Initiativen in der Region auf. Unter anderem stellte sie die Plattform „Smart Emma“ vor, ein von der RWTH Aachen entwickelter digitaler Marktplatz von Lebensmittelhändlern in Aachen, der den Kunden Online-Shopping von Lebensmitteln anbietet.

Nach den fachlichen Impulsen und dem gegenseitigen Kennenlernen arbeiteten die Teilnehmenden im Wechsel an den drei moderierten Themeninseln:

Themeninsel „Status Quo der Digitalisierungs-Aktivitäten in der Region“:

Die Teilnehmenden der Arbeitsgruppe tauschten sich zu bereits bestehenden Digitalisierungs-Aktivitäten im Einzelhandel in der Region aus.

Potenziale für den digitalisierten Einzelhandel sehen die Teilnehmenden in der Beteiligung von Auszubildenden und allgemein jungen Menschen mit ihren Erfahrungen und Kompetenzen in der Entwicklung von neuen Geschäftsmodellen und Vertriebswegen. Wichtig sei auch die Unterstützung des Einzelhandels z.B. durch finanzielle Anreize sowie der weitere Ausbau und die Intensivierung von regionalen Kooperationen. Potenziale bestehen auch darin, neue Einkaufserlebnisse zu schaffen und moderne Technologien gewinnbringend einzusetzen, z.B. Tools für Virtual Reality oder die GPS-Funktion von Handys.

Konkrete Herausforderungen werden vor allem im Bereich Personal gesehen: Der Mehrwert des stationären Einzelhandels bestehe nach wie vor in der kompetenten Beratung der Kunden. Den gestiegenen Kundenanforderungen muss daher mit intensiver Qualifizierung des Verkaufspersonals begegnet werden. Eine weitere zentrale Herausforderung bestehe in der Vielfalt der Kunden, die alle individuell erreicht werden sollen - sowohl die online-affinen Kunden als auch diejenigen, die einkaufen möchten „ohne eine digitale Spur“ zu hinterlassen. Darüber hinaus besteht eine zusätzliche Herausforderung im Umgang mit der Skepsis von (älteren) Beschäftigen und Kunden gegenüber der Digitalisierung. Folgende Ideen und Ansätze wurden in der Gruppe entwickelt:

  1. Ausbau der Basics für die Digitalisierung: Wissensaufbau bei den Einzelhändlern mit konkreten Unterstützungsangeboten, um die Online-Präsenz, stärkere Vernetzung sowie die Nutzung von Social-Media-Kanälen zu verbessern und neue Geschäftsmodelle entwickeln zu können.
  2. Entwicklung von neuen Konzepten für die Kunden von morgen unter Berücksichtigung regionaler Stärken (z.B. Lokalkolorit, Tourismus).
  3. Identifizieren von Treibern für die regionalen Initiativen, die alle Aktivitäten bündeln.

 Themeninsel „Risiken und Bedrohungen durch die Digitalisierung“:

Folgende Risiken und Bedrohungen wurden durch die Teilnehmerinnen und Teilnehmer hervorgehoben:

  1. Das fehlende Einkaufserlebnis und die damit einhergehende Haptik. Durch die Digitalisierung wird der Einkauf entpersonalisiert. Online gibt es keinen Verkäufer oder Händler des Vertrauens mehr, der vor Ort einen besonderen Service anbieten kann.
  2. Die Qualifizierung der Verkäuferinnen und Verkäufer lässt nach. Besonders die Soft Skills gehen verloren. Das Berufsbild der Verkäuferinnen und Verkäufer ist für den Nachwuchs immer weniger attraktiv.
  3. Durch den Wegfall von Unternehmen und somit Arbeitsplätzen verändert sich das Stadtbild. Das stationäre Sortiment wird weniger interessant, der Tourismus bleibt aus und Gebäude stehen leer.
  4. Als weitere Risiken und Bedrohungen der Digitalisierung des Einzelhandels wurden die Abhängigkeit von der Technik, das fehlende Innovationspotential von Unternehmen und der fehlende Datenschutz auf vielen Online-Plattformen diskutiert.

 Folgende Ideen könnten die Risiken und Bedrohungen lösungsorientiert angehen:

  • Eine besondere Rolle spiele, so die Teilnehmerinnen und Teilnehmer, das Personal im Einzelhandel. Das Berufsbild des Einzelhandelskaufmanns bzw. der Einzelhandelskauffrau müsse wieder attraktiv gemacht werden.
  • Eine Möglichkeit, anknüpfend an den Vortrag von Herrn Prof. Dr. Ritz, könne auch sein, die Digitalisierung mit dem Einkauf im stationären Einzelhandel zu verbinden, wie z.B. das komplette Sortiment über Tablets im Geschäft anzubieten. Ohne stundenlange Online-Suche, könne man vor Ort mit entsprechender Beratung und Service auch Zeit einsparen.
  • Die Identifizierung mit der Region Aachen und das Besinnen auf „Lokales“. In Netzwerken könnten Einzelhändler ihr Know-how Interessierten zur Verfügung stellen.
  • Das Einkaufserlebnis müsse verbessert werden. Dazu gehören auch gute Qualität und ein freundlicher Service. Der stationäre Einzelhandel müsse sich auf seine Vorteile fokussieren und diese besser vermarkten.

Themeninsel „Chancen und Entwicklungsperspektiven durch die Digitalisierung“:

Zentrale Chancen und Entwicklungsperspektiven für die Region Aachen zu identifizieren stand im Mittelpunkt dieser Themeninsel. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer entwickelten eine Reihe von Anknüpfungspunkten, die als Potenziale für Aachen und die Region weitergedacht werden können. Die Teilnehmer waren sich einig, dass die Region mehr Interaktion und Kooperation mit den Wissenszentren der Digitalisierung vor Ort brauche. Als zentrale Akteure wurden unter anderem die Beschäftigten und Kunden, als wichtige Entwicklungsfaktoren natürlich ausreichend finanzielle Mittel genannt.

Als Ansatz für eine mögliche Lösungsidee wurde deutlich, dass neue Kooperationsmodelle zwischen dem Einzelhandel und Partnern aus der Gastronomie und Kulturressorts gefördert werden sollten.

Mögliche Potenziale wurden in der Entwicklung eines Kümmerer-Netzwerkes und in die Investition von sogenannten Digitalisierungsberatern gelegt, die den Mehrwert und die Kriterien für eine erfolgreiche Digitalisierung für die Region in beratender Funktion unterstützen können.

Abschließend dankte Manfred Bausch den Teilnehmenden für ihre engagierten Diskussionen. Das regionale Ideenlabor in der Region Aachen habe gezeigt, wie wichtig es sei, unterschiedliche Perspektiven zu berücksichtigen und in einen gemeinsamen Dialog zu treten. Denn nur so können die Herausforderungen des digitalen Wandels und die Gestaltung guter, fairer Arbeit 4.0 zukünftig gemeistert werden. Herr Bausch stellte mit Blick auf die Ergebnisse fest, dass diese als Grundlage für die weiteren Schritte in der Region Aachen dienen werden. Auch seien weitere Ideenlabore für die Region geplant.

Kontakt: Regionalagentur Region Aachen [Simon Zabel, Zabel@regionaachen.de]