Voneinander lernen – Digitalisierung erleben

Wie kann der Sprung zum digitalisierten Unternehmen gelingen? Welche Fördermöglichkeiten gibt es für KMU? Und welche Phasen sind in der digitalen Transformation eigentlich zu durchlaufen? Antworten auf diese Fragen gab es am 23. Mai in Meschede, wo die Regionalagentur Hellweg-Hochsauerland kleine und mittlere Unternehmen zum gemeinsamen Austausch einlud.

Orientierung im digitalen Wandel

„Lernen – entdecken – erleben“ hieß es bei der Dialogveranstaltung von NRW 4.0, welche die Regionalagentur zusammen mit dem Transferverbund Südwestfalen, dem Kompetenzzentrum Mittelstand 4.0 und der Fachhochschule Südwestfalen mit Unterstützung des Landesministeriums für Arbeit, Gesundheit und Soziales (MAGS) durchgeführt hat. Gelernt und entdeckt wurde dabei zunächst in den Gebäuden der Fachhochschule Südwestfalen. Für das spielerische Erleben, den Workshop-Teil des Tages, ging es im Anschluss in die nahegelegene TransferFactory der FH.

Die einleitenden Impulsvorträge hielten Prof. Dr. Jürgen Bechtloff und Prof. Dr. Christina Krins von der FH Südwestfalen. Prof. Bechtloff erklärte, dass Unternehmen in Zeiten der Industrie 4.0 ihr Geschäftsmodell auf Webtechnologie aufbauen und verstärkt mit Daten arbeiten müssen. Gerade letzteres sei für die Zukunft von Unternehmen essenziell: Unternehmen müssen ihre genutzten und produzierten Daten nicht nur sichtbar machen, sondern sie auch verstehen. Es gilt, Prozess-, Maschinen-, Betriebs- und Nutzungsdaten zu koppeln, sodass sie miteinander kommunizieren und voneinander lernen können. So könnten Maschinen und Produkte bald eigenständig einen möglichen Defekt vorhersagen und die nötigen Ersatzteile automatisch bestellen.

Prof. Krins erläuterte anschließend, dass der Weg zum digitalen Unternehmen insbesondere für die Angestellten oft mit großen Veränderungen und Unsicherheiten verbunden ist. Damit der Veränderungsprozess nicht scheitert, müsse die Unternehmensführung einem zu großen Widerstand der Belegschaft vorbeugend entgegenwirken. In Zeiten des Wandels komme es insbesondere darauf an, die Veränderungsbereitschaft aller Beteiligten zu stärken – etwa dadurch, dass Führungskräfte den persönlichen Nutzen der Veränderungen für die Mitarbeiter hervorheben.

Etwas Licht in den Dschungel an Fördermöglichkeit gab es für die Teilnehmenden im Förderprogramm-Sprint: Das Mittelstand 4.0-Kompetenzzentrum Siegen etwa bietet kostenlose Workshops rund um das Thema Digitalisierung an – beispielsweise die Ausbildung von Digital Scouts in Unternehmen oder Fortbildungen im agilen Projektmanagement. Das MAGS unterstützt KMUs mit Potentialberatungen und Qualifizierungsberatungen, der Bund durch Programme wie unternehmensWert:Mensch. Über vielfältige Förderprogramme berät auch die NRW.Bank. Einen guten Überblick über alle Innovations- und Digitalisierungsangebote für KMUs finden Sie hier.

Schließlich bot der Nachmittag auch über die Keynotes hinaus ein abwechslungsreiches Programm, das die gesamte Bandbreite des Themas Innovation im Münsterland abbildete: Verschiedene Workshops beschäftigten sich mit zukunftsorientierten Geschäftsmodellen und Innovationsförderung. Und auch bei einem Design Thinking Sprint oder beim Programmieren von kleinen Robotern konnten die Teilnehmenden selbst aktiv werden. Bei zwei Reverse Pitches standen die Anforderungen von Unternehmern an Investoren im Mittelpunkt. Und ein Marktformat in der Mitte des Skaters Palace lud in den Pausen dazu ein, Start-Ups aus der Region kennen zu lernen oder sich mit Roboter Pepper zu unterhalten. Für Klaus Ehling von der Münsterland e.V. besteht kein Zweifel: „Die Herzen der Menschen hier im Münsterland brennen! Mit dem heutigen Festival wollen wir dazu beitragen, dass dies auch in der Breite sichtbarer wird.“

Den digitalen Arbeitsalltag live erleben konnten die Teilnehmenden schließlich in der TransferFactory. Sie bietet Studierenden der FH sowie Unternehmen eine Testumgebung, in der sie ihr Wissen in die Praxis zu überführen und vertiefen können. Die Teilnehmenden konnten dort in kleinen Gruppen die Phasen eines Scrum-Prozesses und eines Design Sprints durchlaufen. So ging es im Workshop „Einfach mal agil“ darum, wie das Produkterlebnis von Badarmaturen verbessert werden kann. Sehr spielerisch ging es auch im „Micro Design Sprint“-Workshop zu. Hier fanden sich die Anwesenden in den Rollen von Testenden und Entwickelnden wieder: Sie sollten den Prototyp eines Balls auf bestimmte Kriterien untersuchen, weiterentwickeln und die Ergebnisse dann im Plenum vorstellen. So erhielten die Teilnehmenden auch ein praktisches Gespür für digitale Fertigungstechnologien und agiles Arbeiten.