Wissen verknüpfen – Netzwerke schaffen – Kompetenzen aufbauen

Ist die Weiterbildung von Mitarbeitenden eine gute Antwort auf die Herausforderungen der Digitalisierung? Welche konkreten Erfahrungen machen KMUs bei der Digitalisierung ihrer Geschäftsprozesse? Und wie können Vernetzung und Erfahrungsaustausch dabei unterstützen? Antworten aus der Praxis erhielten die Teilnehmenden am 22. Mai bei einer Netzwerkveranstaltung der „Digital Scouts“ aus der Region Siegen und der Märkischen Region in der PHÄNOMENTA Lüdenscheid. Geladen hatten die Regionalagentur Siegen-Wittgenstein und Olpe, das Mittelstand 4.0-Kompetenzzentrum Siegen, die agentur mark GmbH und das Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales Nordrhein-Westfalen (MAGS).

Erfahrungsaustausch mit Digital Scouts

Die Weiterbildungsidee der „Digital Scouts“ ist 2016 aus dem vom MAGS NRW angestoßenen Dialogprozess NRW 4.0 in Siegen hervorgegangen und hat mittlerweile auch in Hagen und Lüdenscheid erste KMUs begeistert. In Lüdenscheid berichteten ausgebildete Digital Scouts aus nordrhein-westfälischen Unternehmen von Praxisbeispielen aus der Welt der Daten, Prozesse und Kompetenzentwicklung und standen im Anschluss für den Austausch mit den Teilnehmenden zur Verfügung. Ziel der Veranstaltung war es, eine überregionale Plattform für Vernetzung, Wissenstransfer und Erfahrungsaustausch zu schaffen für Unternehmen, die sich über diesen Zugang zur Digitalisierung informieren möchten.

In ihrer Begrüßung unterstrich Dr. Wiebke Lang, Referatsleiterin im MAGS, die positive Herangehensweise des Ministeriums beim Thema Digitalisierung: „Nicht Sorgen und Ängste sollten im Vordergrund stehen, sondern Neugier. Die Digitalisierung bietet Chancen für Innovation und bessere Arbeitsbedingungen.“ Um diese Chancen nutzen zu können, braucht es geeignete Qualifizierungsangebote – insbesondere für kleinere Betriebe: „Wir müssen es schaffen, Ängste ab- und Motivation aufzubauen, passgenaue Qualifizierung zu ermöglichen und einen niedrigschwelligen Zugang zu diesen Angeboten zu schaffen“, so Dr. Lang. „Die Digital Scouts sind hierfür ein hervorragendes Beispiel und wir hoffen, dass sie bald in ganz NRW ausgebildet werden.“

Im Anschluss berichteten zwei Scouts aus eigenen betrieblichen Umsetzungsprojekten. Karsten Peter von der Hees Bürowelt GmbH aus Siegen leitet dort die interne IT und ist einer der ersten ausgebildeten Digital Scouts in NRW. Von der Bestellung über die Auslieferung bis zur Rechnungstellung konnten in seinem Unternehmen bereits viele Prozesse digitalisiert und automatisiert werden. „Der Digitalisierungsprozess läuft bei uns schon länger, deshalb besteht bei den Beschäftigten größtenteils eine hohe Bereitschaft für den Wandel“, berichtete Peter. „Hürden stellten unter anderem die teils langwierigen Abstimmungen mit Lieferanten und Dienstleistern dar. Aber natürlich müssen auch wir den Ängsten von Kollegen begegnen, die sich fragen, was die Digitalisierung mit ihrer Arbeitsstelle macht.“  

Die Attendorner Kirchhoff Automotive GmbH ist in ihrem Innovationsprozess typische Phasen durchlaufen, wie Digital Scout Björn Wollny erläutert: „Erst müssen neue Möglichkeiten erkannt und anschließend eigene Ideen und Anwendungsfälle entwickelt werden – in unserem Fall soll eine Smart Watch die Synchronisierung beim Rüsten von Anlagen erleichtern.“ Zusammen mit dem Kompetenzzentrum Siegen konnte daraufhin ein Prototyp entworfen und hergestellt werden. „Dieser wird von den Beschäftigten sehr gut angenommen – jetzt gilt es noch, die Lösung in der letzten Phase in den Betrieb zu integrieren.“

Die Idee einer Smart Watch inspirierte auch Nadine Lehmann von der Betreuungseinrichtung für Senioren „Haus an der Weiß“ aus Wilnsdorf: Sie könnte die Pflegekräfte automatisch bei der Dokumentation unterstützen, was ihnen mehr Zeit für den Kontakt mit den Menschen verschafft. Die Idee der „Doku Watch“ entstand im November 2018 bei einem Workshop der Veranstaltung Pflege. Menschlich. Digital in Siegen und wurde im Anschluss zusammen mit dem Kompetenzzentrum Siegen weiterverfolgt. „Da Pflegekräften das Tragen einer Uhr nicht erlaubt ist, haben wir die Idee eines Gerätes am Kittel entwickelt, das beispielsweise Eckdaten aufnehmen, orten oder Kollegen rufen kann“, so Dr. Martin Stein vom Kompetenzzentrum. Die „Doku Watch“ ist ein gutes Beispiel dafür, dass sich die Zusammenarbeit und das Lernen voneinander über verschiedene Berufszweige hinweg lohnt – und wie schnell konkrete Lösungen entstehen können, wenn man sich einmal an die Arbeit macht.